Aktuelle Entwicklungen des Tennissports in Zeiten von Covid-19 | Aus der Sicht eines Trainers

Hi, alles klar bei dir?

Bei mir schaut die Welt jetzt schon wieder ein bisschen besser aus. Seit 1. Mai ist Tennis in Österreich wieder erlaubt. Mit gewissen Auflagen, aber es ist erlaubt. Da kann man sich schon sehr glücklich schätzen, besonders wenn man sich die Ungewissheit der Fortsetzung bei unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Fußball ansieht. Fußball steht hier stellvertretend für alle Sportarten, die noch nicht wieder erlaubt wurden. Und ich bin mir sicher: Die Betonung liegt auf NOCH.

Aus Vereinssicht gesehen, muss die Jugendarbeit die allerhöchste Priorität haben. Sie sichert den Fortbestand eines Vereines. Seit nunmehr 7 Wochen sind unsere Kids, mehr oder weniger, weggesperrt. Ich bin mir sicher, dass der Großteil der Eltern das Grundbedürfnis unserer Kids nach Bewegung, so gut es ihnen möglich war, stillen konnte. Aber der rein physische Aspekt ist nur eine Variabel, in dieser so komplexen Gleichung. Wie wirkt sich die soziale Distanzierung bei den Kids aus? Wie gehen sie damit um, dass sie ihre Freunde seit Wochen nicht mehr sehen durften? Was werden die Konsequenzen daraus sein? Viele Fragen, deren Antworten man erst mit gewissem zeitlichen Abstand erfahren wird.

Meine Erwartungen für das Kindertennis-Training

Ich schreibe diese Zeilen am 3. Mai 2020 um ca. 14 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist Kindertraining nur als Einzeltraining möglich. Und die Definition des Kindertrainings wird in diesem Zusammenhang, sehr weit ausgedehnt. Denn diese Bestimmungen gelten für alle unter 18 Jahre. So weit, so unverständlich. Meines Erachtens, hätte man eine Staffelung vornehmen müssen. Ähnlich dem methodischen Aufbau für das Tennistraining:

 

Red-Court (4 – 8-Jährige)

  • Wenn das Abstandhalten als Hauptargument herangezogen wird, ist für diese Altersgruppe nur Einzeltraining möglich. Solange, bis eine wirksame Impfung gefunden wurde. Die Kids wollen Spaß haben, wollen Herumtollen, wollen mit Gleichaltrigen zusammensein, wollen Abklatschen, wollen einfach lebehafte Kids sein. Da kann ich als Trainer so viele Zonen aufbauen wie ich möchte. Die Kids werden kein Verständnis dafür haben. Konsequenz aus dem Ganzen: Kids werden keinen Spaß beim Training haben und im schlimmsten Fall, mit dem Tennisspielen aufhören. Sehr kontraproduktiv. Dasselbe gilt auch für das Einzeltraining in dieser Altersgruppe. Da kann die Trainerin, der Trainer noch so gut sein. Die Freunde kann sie/er mit Sicherheit nicht ersetzen.

 

Orange-Court (8 – 10-Jährige)

  • Kids in dieser Altersgruppe, die bereits miteinander spielen können, sollten sofort für den Trainingsbetrieb zugelassen werden. Sie:

    🔵 Spielen schon einige Zeit Tennis.
    🔵 Kennen die Gepflogenheiten auf dem Tennisplatz.
    🔵 Haben Vertrauen zu ihrer Trainerin, zu ihrem Trainer.
    🔵 Verstehen die vorherrschende Situation.
    🔵 Halten sich an Regeln, die ihnen die Trainerin, der Trainer vorgibt.


    Hier sehe ich überhaupt kein Problem, diese Gruppe für das Training freizugeben. Sind auch meine persönlichen Einschätzungen als Vater, denn ich habe einen Sohn bei den Red-Court-Kids und einen Sohn bei den Orange-Court-Kids.

    Dazu kommt noch, dass die guten 8 – 10-Jährigen, sowieso schon auf das ganze Feld spielen. Eine gute Überleitung zur nächsten Gruppe.

 

Green-Court (10 – 14-Jährige)

  • Hier gelten die beschriebenen Punkte der miteinander spielenden Orange-Court-Kids genauso, wenn nicht noch mehr. Diese Kids besitzen die kognitiven Fähigkeiten, eine Situation wie diese, richtig einzuschätzen. Sie spielen über das ganze Feld und die Gruppengröße wird nie größer sein als 4 Spielerinnen/Spieler. Jede Trainerin, jeder Trainer der mit 5er – 8er-Gruppen auf 1 Platz trainiert, hat den Fokus nicht unbedingt auf die sportliche Weiterentwicklung der Kids gelegt (ist meine persönliche Meinung; jeder kann sein Training so gestalten, wie er möchte; manchmal geht es leider nicht anders und man muss eine 5er- oder 6er-Gruppe in Kauf nehmen; hierfür habe ich auch schon einige Drills für Prime Tennis zusammengetragen, um auch aus solchen Stunden, das Optimum für die Kids herauszuholen; aber mein Credo: nie mehr als 4 Personen in einer Trainingsgruppe).

 

Juniors (14 – 18-Jährige)

  • 🤦‍♂️ Warum diese Altersgruppe nicht von Beginn an für den Trainingsbetrieb freigegeben wurde, entzieht sich jeglicher Logik. Da sind Jugendliche dabei, die bereits seit über 10 Jahren Tennis spielen. Sind in der Regel, vollintegrierte Mitglieder eines Tennisvereins. Sind absolut motiviert und am Sprung in die verschiedenen Erwachsenenmannschaften, oder dort bereits fester Bestandteil. Natürlich kann man mit ihnen wunderbar Einzelstunden spielen. Aber sie wollen natürlich auch eine gute Zeit mit ihren Freunden auf dem Platz verbringen. Außerdem wird die Krise viele Eltern hart getroffen haben und die Finanzierung des Tennistrainings wird nicht an 1. Stelle der “Dringlichkeitsliste” stehen.
    Die Vereine, die das Jugendtraining finanziell fördern, haben sicherlich auch ihre Grenzen. Und bei 40 Kids brauchst du mit dem Einzeltraining erst gar nicht zu starten.

 

Wir, in Gallspach, sind ein realtiv kleiner Verein. Wie ist die Situation bei den großen Stadtvereinen? Welche Lösungskonzepte wurden hier entwickelt? Oder wartet man einfach die nächsten Lockerungen ab? Was machen wir, wenn eine 2. Infektionswelle kommt? Fragen über Fragen.

Der Titel des Artikels ist ja: Aktuelle Entwicklungen des Tennissports in Zeiten von Covid-19 | Aus der Sicht eines Trainers.

 

Meine Sicht: Tennis und Corona-Virus

Die letzten Wochen brachten sehr viel Zeit mit sich, die eigene Gesamtsituaton genau zu durchleuchten. 2020 war eigentlich als Jahr des geschäftlichen Durchbruchs geplant. Von Mai bis Ende September war bereits alles ausgebucht. Prime Tennis ging online und sollte langsam und stetig wachsen. Die Nachfrage nach Tennis war riesengroß. Genauso groß waren die Pläne für die Zukunft.

Und Zack – kommt ein kleiner Virus daher, mit dem Namen eines Gesöffs, welches unserem Nationalgetränks nicht würdig ist, und relativiert so ziemlich alles, wofür man die letzten Jahre hart gearbeitet hat.

Ich denke, ab Mitte Mai, spätestens ab Anfang Juni wird die vielzitierte “neue Normalität” auch im Kindertennistraining Einzug halten. Bei den ganz kleinen Kids bin ich mir da leider nicht so sicher.

Fragen die mich sicherlich für lange Zeit begleiten werden:

  • Kommt eine 2. Welle?
  • Wenn ja, wie wird jetzt darauf reagiert?
  • Werden Pandemien jetzt häufiger auftreten?
  • Ist mein Geschäftsmodell krisensicher?
  • Wie wird es mit der Nachfrage nach Tennis ausschauen, wenn man das Gesamtausmaß der Corona-Krise kennt?
  • Wie kann man sich persönlich besser aufstellen (beruflich gesehen)?
  • Und viele weitere Gedanken geistern in meinen Kopf umher…Bei dir schaut es sicher ähnlich aus.

 

Also wie du sicher erkennen kannst. Eine schwierige Gesamtsituation. Diese Gesamtsituation trifft sicher auf sehr viele Leute, aus sehr vielen Branchen zu. Ich wünsche uns hiermit allen alles erdenklich Gute, damit wir die Krise 1. einmal überstehen, um danach, gestärkt daraus hervorzugehen.

Mein voher angesprochenes Geschäftsmodell habe ich bereits adaptiert und hoffentlich, krisensicherer gemacht.

Ich wünsche dir auf diesem Wege nur das Beste:

🔵 Gesund bleiben.
🔵 Krise wirtschaftlich überstehen.
🔵 Zeit sinnvoll nutzen.
🔵 Motivation für die nächsten Schritte gewinnen.
🔵 Dinge, die man immer als selbstverständlich erachtet hat, mehr schätzen.
🔵 Und, und, und.

Viel Spaß beim Training!

Dein Stefan

Hier ein paar Eindrücke von meinem Stammverein. Unser Hubsi Huemer hat ein cooles Video erstellt. Tennis Gallspach – Corona Auflagen.

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